Befehle des Menübands überspringen
Zum Hauptinhalt wechseln
Navigation nach oben
Anmelden

THEATERPÄDAGOGIK

Theater macht Schule -Schule macht Theater

 

 Theaterpädagogik - mein persönliches Konzept

 

Im Laufe der letzten Jahre habe ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen in der Schule mein eigenes theaterpädagogisches Konzept entwickelt.

Grundsätzlich soll meine Arbeit den schulischen Alltag nicht allzu sehr beeinträchtigen. So setze ich mich zu allererst mit den Lehrpersonen der Klasse zusammen und bespreche mit ihnen die pädagogisch didaktischen Schwerpunkte ihres Jahresprogramms. Daraus suchen wir dann gemeinsam einen Schwerpunkt, nach dem die Schüler dann ihr eigenes Thema entwickeln.
Neben der eigentlichen Produktion stehen gruppendynamische Prozesse sowie Sprache gleichermaßen im Vordergrund.

Meine Arbeit stützt sich auf 4 Grundpfeiler, die ich hier kurz erläutern möchte.

  • Der soziale, gruppendynamische Aspekt

Theaterpädagogische Übungen führen die Gruppe zu neuen interaktiven Erfahrungen. Mit Hilfe von einfachen Regeln lernen Kinder und Jugendliche sich und andere besser kennen. Es geht dabei um den Aufbau von Vertrauen, um die Bereitschaft sich fallen zu lassen, die Führung zu übernehmen und sich führen zu lassen, im Mittelpunkt zu stehen und gleichermaßen sich in den Hintergrund zu stellen, sich Platz zu machen und anderen Platz zu lassen.
Dabei wächst jeder Einzelne, erfährt sich auf eine andere Weise, geht an seine persönlichen Grenzen. Der respektvolle Umgang miteinander spielt eine große Rolle.
Unweigerlich verändert sich so die Dynamik der Gruppe, Rollen werden vertauscht, Vorurteile abgebaut und festgefahrene Meinungen verändert.
Die Gruppe wächst zusammen, Schwächen und Fehler des anderen werden akzeptiert, gesundes und notwendiges Konkurrenz- und Leistungsdenken gefördert.

  • Die Persönlichkeitsentwicklung

Wie oben bereits erwähnt erfährt sich jeder Einzelne auf unterschiedlichste Art und Weise und wächst dabei an jeder erlebten Erfahrung. Am gemeinsamen Tun bleibt der Einzelne Individuum und arbeitet an persönlichen Vorlieben und Kompetenzen. Dies setzt innere Zentriertheit und Ruhe voraus, zwei Eigenschaften, die in der heutigen, schnelllebigen Gesellschaft selten geworden sind, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Die Eindrücke von außen sind einfach zu groß und es sind zu viele; selten bleibt Zeit, Gesehenes, Gehörtes, Erlebtes absitzen zu lassen und zu verarbeiten. Selbst die Schule entzieht sich kaum der Versuchung, so viel Neues wie möglich anzubieten und so arbeiten SchülerInnen oft an vielen, verschiedenen Projekten während eines Schuljahres, die für sich gesehen pädagogisch äußerst wertvoll sind, durch ihre Fülle und die Aneinanderreihung aber genau diesem Ziel nicht nachkommen können.
Theaterpädagogisches Arbeiten heißt eben auch langsames Arbeiten, arbeiten an ein und demselben Thema und das über einen längeren Zeitraum, in die Tiefe des Themas zu dringen, um alle möglichen Facetten zu erkennen und aufzudecken. Dabei spielt Langeweile eine wesentliche Rolle – nur so kann Neues entstehen und uns sogar verblüffen. Vorgegeben wird nur der Rahmen, womit dieser aber gefüllt wird, liegt einzig und allein an den TeilnehmerInnenn und ihrer Bereitschaft, sich wirklich einzusetzen.

  • Der sprachliche Aspekt

Sprache spielt dabei eine große Rolle – Sprache als allgemein bekanntes Kommunikationsmittel sowie als Quelle aller Missverständnisse, denn ein und dasselbe Wort kann anders betont bzw. in einem veränderten Kontext Unterschiedlichstes bedeuten.
Ich meine natürlich alle Möglichkeiten der Sprache:

Zum einen die gesprochene der verschiedenen Länder, zum anderen aber auch die ebenso wesentliche und von uns allen verwendete Körpersprache.
Auch hier stehen Experimentieren, Suchen und Erforschen im Mittelpunkt.
Das Einlesen in das ausgewählte Thema ist unerlässlich, um sich den nötigen Wortschatz anzueignen und Hintergrundwissen zu erlangen. Mit dieser Basis ausgerüstet geht es dann an den theatralischen Teil der Arbeit.

  • Der theatralische Aspekt

Hier wird über freie Improvisation, kleine vorgegebene Spielstrukturen, verschiedene Spielsituationen die Figur des Stückes erarbeitet, aufgebaut und geformt. Dabei spielt Körpersprache eine wesentliche Rolle - sie wird bewusst trainiert, eingesetzt und verwendet. Ganz unabhängig, ob der Spieltext von den Schülern selbst geschrieben wird oder bereits vorhanden ist, die einzelnen Figuren müssen Schritt für Schritt erarbeitet, ihre Geschichte konstruiert, ihre Körperlichkeit und ihre Eigenheit erschaffen werden. Nur so findet Identifikation statt, nur so kann über den Text hinaus gespielt und können sogenannte Hänger vermieden werden. Der Zugang zur Rolle, zum Stück, zu den einzelnen MitspielerInnen wird dadurch ein anderer; Verantwortung und respektvolles Miteinander stehen mit Spiel und Spaß im Vordergrund.

Den dramaturgischen Teil übernehme natürlich ich, ebenso wie die Spielleitung. Ich überarbeite die Ergebnisse der Improvisationen, verwerte sie und biete sie beim nächsten Treffen über eine neue Spielsituation zum Auf- bzw. Ausbau an. So entstehen die einzelnen Szenen, die ich zu Bildern zusammenfasse und dann so anordne, dass ihre Reihung einen dramaturgischen Bogen spannt. Auf diese Weise werden auch vorgegebene Stücke erarbeitet und nach ihrem Subtext hinterfragt.

Das selbstständige Verschriftlichen der Szenen gehört gleichermaßen zur theaterpädagogischen Arbeit. So kommt es während meiner Tätigkeit immer wieder zu Schreibwerkstätten, bei denen ich mit den einzelnen Spielern an ihren Szenen/Figuren schreibe.

 

 Theater über "Carl Wolf" Klasse 3F

 

Abschließend möchte ich noch Folgendes anmerken:

Die einzelnen Aspekte werden hier nacheinander aufgelistet, während meiner Arbeit überschneiden sie sich natürlich; sie lassen sich nämlich nicht voneinander trennen. Schon vom ersten Treffen an werden sie beachtet. Außerdem lasse ich seit einem Jahr die Arbeitstechniken nach „jeux dramatiques“ in meine Arbeit einfließen. Diese besondere Methode des inneren Erlebens lässt sich mit meiner theater­pädago­gischen Tätigkeit gut kombinieren und spricht Kinder und Jugendliche sehr gut an.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit stelle ich nach wie vor die SchülerInnen – ich nehme sie ernst, ich versuche ihnen mittels des Theaters die Möglichkeit zu geben, sich mitzuteilen und das, was ihnen am Herzen liegt, zu sagen. Dabei zeigt jede/r von sich, was sie/er zu zeigen bereit ist. Meistens ist es mehr, als sie/er sich selbst zutraut
Es besteht kein Zwang, niemand muss eine von mir zugewiesene Rolle spielen. Will jemand nicht auf die Bühne, so gibt es im Hintergrund genügend andere Arbeiten, die genauso wichtig sind, um gutes Gelingen zu garantieren.

Ich verlange aber, dass einmal getroffene Entscheidungen verantwortlich und ernsthaft bis zum Ende der Arbeit getragen werden.
Dennoch ist Theaterpädagogik keine Therapie und ich als Theaterpädagogin bin keine Therapeutin.
Meine Arbeit sprengt in gewisser Hinsicht den schulischen Rahmen.
Das wird schon räumlich sichtbar: Ich brauche einen großen Raum mit viel Platz und wenig Tischen und Sitzmöglichkeiten, denn während meiner Arbeit verbringen die Schüler viel Zeit mit Bewegung und Probieren durch körperlichen Einsatz.
Dies erfordert ein Pensum an Zeitaufwand, unterschiedlich je nach Zielsetzung und Anforderung an das Projekt, und Bereitschaft und Flexibilität von Seiten der betroffenen Lehrpersonen. Denn wer noch nie mit dieser Methode zu tun hatte, kann sich unter theaterpädagogischer Arbeit nichts vorstellen.

In all den Jahren, also seitdem ich für diese Arbeit freigestellt bin, habe ich sowohl mit Lehrpersonen als auch mit SchülerInnen positive Erfahrungen gemacht. Sie sind begeistert und überzeugt vom wertvollen Beitrag, der durch diese kreative Auseinandersetzung geleistet wird. Denn im Vordergrund stehen nicht die gelungene Aufführung und das Lob, sondern der Weg und die Entwicklung eines jeden Einzelnen. Es passiert sogar manchmal, dass sich die Dynamik in einer Klasse stark verändert, weil durch diese Art des Theaterspielens Dinge sichtbar gemacht werden, die sonst oft im Verborgenen bleiben. Das Aufzeigen, ja manchmal sogar Aufreißen festgefahrener Situationen, stellen SchülerInnen und Lehrpersonen gleichermaßen vor neue Herausforderungen.

Mittlerweilen nimmt meine Arbeit in den einzelnen Schulen einen großen Platz ein. Sie wird nicht nur als Privileg und Belohnung für „brave“ Klassen gesehen, sondern auch als eine gesunde und natürliche Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung, gerade für „schwierige“ Schüler.
Es lässt sich nur schwer bestimmen, ob theaterpädagogische Arbeit für die Grundschule wichtiger ist als für die Mittelschule. Ich selbst glaube sogar, dass in allen Schulstufen theaterpädagogisch gearbeitet werden sollte. Denn durch dieses „Spielen“ können belastende Themen mit einer gewissen Leichtigkeit behandelt und vielseitig beleuchtet werden.

Außerdem ist Theaterpädagogik kein Schulfach und kann/muss daher nicht mit den Maßstäben eines Schulfaches beurteilt werden. Kreativität lässt sich kaum mit einer rigiden Werteskala messen, diese ist in meinen Augen sogar der Untergang kreativen Tuns.

Christine Perri
 

 
http://www.snets.it/SSP-MeranStadt/PublishingImages/Theater.png
 

 Schüler-Stimmen

 

Die theaterpädagogische Arbeit bedeutet für mich…
Stimmen von Schülerinnen und Schülern der dritten Klassen der Mittelschule


Wichtig für das Selbstvertrauen

Gut für Teamgeist und für die Klassengemeinschaft

Man muss sich ganz auf sich konzentrieren und immer wieder etwas Neues erfinden.

Man muss zusammenhalten; und komplizierte Dinge sollten man einfach einmal ausprobieren.

Eine Gruppe soll zusammenhalten

Dass man aufmerksam und einfallsreich sein sollte, es braucht auch Mut.

Wir müssen aufeinander schauen und erkennen, was die anderen machen.

Aufeinander Warten

Einfach weiterzumachen, auch wenn man ausgelacht wird.

Freundschaft

Damit wir nachdenken

Ich habe gelernt, Wörter zu erfinden.

Nicht viel

Wichtig für das Verstehen ohne Worte

Sie soll das Soziale stärken

Ich habe gelernt, wie man sich auf der Bühne bewegt.

Immer etwas Neues zu entdecken und zusammenzuhalten.

Eine ganze Gruppe hinter mir zu fühlen war überwältigend. Gleichzeitig musste ich auch Verantwortung übernehmen.
Ich habe mich in der Gemeinschaft aufgenommen gefühlt, wir waren eine starke Einheit. Allerdings musste ich auch peinliche Situationen überstehen.


Jeder kann über sich selbst bestimmen und muss eigene Entscheidungen treffen.