Die Hauptaufgabe der Schule besteht darin, das Kind auf
seinem Entwicklungsweg zu begleiten, zu fördern, zu
unterstützen, grundlegende Bildung zu ermöglichen und es
auf das Leben in der Welt vorzubereiten.
 
 
Auf dem Weg zu einem pädagogischen Profil der Schule
Der permanente und immer raschere, jedoch auch immer tiefer greifende Wandel in Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie hat zu veränderten Lebenseinstellungen und Lebensformen der Menschen geführt. Sowohl Lebensziele und Lebensgewohnheiten, als auch die Beziehungen des Menschen zu anderen und zu sich selbst sind davon betroffen. Die Schule muss sich mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen und ist gezwungen, ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag laufend zu reflektieren, um den jungen Menschen eine zeitgemäße Ausbildung gewährleisten zu können.

Das Kind auf seinem Entwicklungsweg begleiten

Die Hauptaufgabe der Schule besteht darin, das Kind auf seinem Entwicklungsweg zu begleiten, zu fördern, zu unterstützen, grundlegende Bildung zu ermöglichen und es auf das Leben in der Welt vorzubereiten. Dabei kann nicht nur die Wissensvermittlung im Vordergrund stehen, sondern die Entfaltung aller kreativen Kräfte, sowie das entdeckende Lernen, das selbständige Tun, Erforschen und Gestalten. Dem produktorientierten Lernen wird das prozesshafte Arbeiten zur Seite gestellt.

Die Schule ist für die Kinder da

Eine gute Schule sichert, wie Harmut von Hentig schreibt, dem Kind:
·       Gegenseitige Achtung, Höflichkeit zwischen Erwachsenen und Kindern
·       Freiheit, nicht Ungebundenheit (d.h. auch Grenzen setzen)
·       Die Schule ist für die Kinder da
·       Lernen macht Freude und Lob gibt Lernzuversicht
·       Suche nach Wahrheit (d.h. Zusammenhängen), statt Anhäufung von Wissen
·       Lernen an Erfahrung
·       Vermeidung von Dogmen (Glaubenssätze kollektivieren den Menschen, Einsichten setzen den Einzelnen frei)
·       Werte haben, befolgen, zeigen; nicht predigen, anerziehen, auferlegen

Unterricht

Eine neue Sicht des Unterrichts muss zu neuen Einstellungen und veränderten Unterrichtsformen führen.
Nicht strenger Fachunterricht und Stoffvermittlung stehen im Vordergrund, sondern eine pädagogische Ausrichtung. Im Mittelpunkt aller Bemühungen steht das Kind mit seinen Fähigkeiten, Bedürfnissen, Interessen und Fragen. Bildungsinhalte werden exemplarisch ausgewählt, das heißt zunächst einmal, man geht thematisch und nicht systematisch vor. Trotzdem erfolgt die Auswahl nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern orientiert sich an Grundeinsichten, die der Mensch braucht, sich in der Welt zurechtzufinden. Die Systematik dieser Einsicht steht nicht am Anfang, sondern ist Ziel des Unterrichts.
Von besonderer Bedeutung sind handelndes und entdeckendes Lernen. Das Schulkind wird zum Forscher, das unter Anleitung und Hilfe der Lehrkraft das Bildungsgut in seiner ursprünglichen Situation aufspürt, nach und nach sein Weltbild aufbaut und Lösungsstrategien entwickelt. Ein solches Arbeiten setzt Freiräume voraus. Dadurch eröffnen sich dem Kind viele Wege, sich grundlegende Bildung anzueignen und es bieten sich ihm viele Situationen, in denen es die eigenen Fähigkeiten entfalten und die für das Leben notwendigen Fertigkeiten, Funktionen und Arbeitstechniken erlernen und trainieren kann. Lerninhalte werden nicht allein von der Lehrkraft vermittelt, sondern verstärkt vom Kind erschlossen.

Auch das Gemüt des Kindes ansprechen

Damit die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes gewährleistet werden kann, bedarf es in der Bildungsarbeit eines ganzheitlichen Ansatzes. Deshalb ist es in der Schule mit der Förderung der kognitiven Fähigkeiten noch nicht getan. Es gilt, auch das Gemüt des Kindes anzusprechen und soziales Handeln zu ermöglichen. Diesem Anliegen kommt die Aufwertung der musischen Fächer (auch in zeitlicher Hinsicht) sowie die Durchführung fächerübergreifender Vorhaben (auch in Projekten, schulergänzenden Tätigkeiten usw.) entgegen, die das Lernen mit allen Sinnen ermöglichen sollen.

Neue Wege konsequent weitergehen

Denken wir nur an die neuen Wege im Anfangsunterricht, an eine Vielzahl freier Unterrichtsformen (Freiarbeit, Wochenplanunterricht, Lernwerkstätten...).
Diese Wege gilt es konsequent zu gehen, jedoch immer vor Augen haltend, dass das Wichtigste an der Schule nach wie vor der reguläre Unterricht in der Klasse ist, der die Grundversorgung für alle Schüler/innen gewährleisten muss.
Erziehung ist in erster Linie Begegnung mit Menschen und der Mitwelt, und nicht alles kann durchsichtig gemacht werden und nicht alles ist nachvollziehbar.

Eltern

Die Schule von morgen sollte sich stärker als gemeinsame Angelegenheit aller Erziehungspartner verstehen. Die Mitbestimmungsgremien waren bisher zu sehr mit formalen Dingen beschäftigt. Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist auszubauen und auf eine neue Basis zu stellen, denn die Entwicklung eines pädagogischen Profils ist ohne Einbezug der Eltern nicht denkbar. Die folgenden Schwerpunkte gilt es in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen:
·       Gemeinsame Erziehungsaufgaben bedingen gemeinsames Vorgehen der Erziehungspartner. Auch Vorschläge der Eltern sollten im Erziehungsplan der Schule Berücksichtigung finden.
·       In vielen Begegnungen ist Verständigung und Verstehen möglich. Daraus kann sich Beziehung entwickeln. Miteinander statt übereinander zu reden ist die beste Möglichkeit, Vorurteile abzubauen.
·       Gute Zusammenarbeit ist nur in einem Klima des Wohlwollens und des Respekts möglich, wo man einander zutraut, dass jeder das Beste für das Kind will. Dieses Klima gilt es gezielt aufzubauen und kontinuierlich zu pflegen.
·       Voraussetzung für das Verstehen ist eine gründliche Information über das, was in der Schule geschieht. Transparenz kann auch vertrauensbildend sein und einen Schutz darstellen. Eltern haben das Recht, an der Schularbeit beteiligt zu werden.
·       Störungen haben Vorrang. Distanz, Abwehr, Kritik sind oft Zeichen von Angst und Unsicherheit. Gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen dienen dazu, Hintergründe aufzudecken und Probleme einer Lösung zuzuführen.

Konkrete Handlungsschritte vorsehen

Zusammenfassend werden hier nochmals, einige wichtige Ziele festgehalten, die einer zeitgemäßen Schulphilosophie zugrunde liegen. Diese gilt es dann in der Phase der Umsetzung in konkrete Handlungsschritte zu gliedern, die Meilensteine eines sich entwickelnden Schulprofils darstellen.
 
Erstes Ziel:                       Neuorientierung im Unterricht
Zweites Ziel:                     Mehr Mitverantwortung und Eigeninitiative der Lehrpersonen in Schulfragen
Drittes Ziel:                       Aufbau der Kollegialitäts- und Kooperationsbereitschaft
Viertes Ziel:                      Ausbau der Zusammenarbeit mit den Eltern
Fünftes Ziel:                     Schaffen von Möglichkeiten und Formen zur Fort- und Weiterbildung der Lehrpersonen
 
 
 
 
Gemeinsame Erziehungsaufgaben bedingen gemeinsames
Vorgehen der Erziehungspartner.
Gute Zusammenarbeit ist nur in einem Klima des Wohlwollens und des
Respekts möglich, wo man einander zutraut, dass jeder das Beste für
das Kind will. Dieses Klima gilt es gezielt aufzubauen und kontinuierlich
zu pflegen.